Mit dem Eucell Gesundheitsbrief informiert uns Dr. med. Werner G. Gehring über unterschiedlichste Themen aus dem Gesundheitsbereich. Folgende Themen erwarten Sie in dieser Ausgabe:

Schlechtes Gehör erhöht Risiko für Depression // Verbraucher zahlen beim Fleisch ungern Aufpreis für mehr Tierwohl // Laserbleaching // Diabetiker sollten Sport verordnet bekommen // Führen Hobby-Computerspieler einen ungesünderen, unsportlichen Lebensstil? // Aktivkohle als Beauty-Tipp? // Magersüchtig ohne dünn zu sein? // Probiotika unterstützen bei Divertikulose-Therapie // Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Vitalstoffkombination kann helfen // Wer gebrechlich ist, könnte erhöhtes Risiko für Alzheimer haben // Leichtere Raucherentwöhnung durch Verzicht auf Alkohol

Gesundheit und Prävention

Schlechtes Gehör erhöht Risiko für Depression

Viele Menschen leiden unter einem Hörverlust. Bleibt dieser unbehandelt, so ergeben sich daraus Nachteile für die Gesundheit der Betroffenen. Wissenschaftler der Columbia University haben herausgefunden, dass Menschen mit einem schlechten Gehör häufiger von einer Depression betroffen sind als Menschen mit einem guten Gehör.

Über 5.000 Menschen im Alter von mindestens 50 Jahren nahmen an der Studie teil. Zum einen wurde mit Hilfe spezieller Hörtests das Hörvermögen bestimmt. Zum anderen wurden die Teilnehmer auf eine möglicherweise vorhandene klinische Depression untersucht. Diese beiden Parameter wurden in einen möglichen Zusammenhang gebracht. Einflussfaktoren wie Alter, Bildung, die Nutzung von Hörgeräten oder Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wurden berücksichtigt.

Es stellte sich heraus, dass Menschen, die von einem mittelschweren Hörverlust betroffen waren, ein doppelt so hohes Risiko für eine Depression hatten als diejenigen, die gut hören konnten. Menschen mit einem besonders schlechten Gehör scheinen demnach sogar ein um das Vierfache erhöhtes Risiko für eine Depression zu haben. Die Wissenschaftler brachten es genauer auf den Punkt: Ein Hörverlust um 20 Dezibel erhöht das Depressions-Erkrankungsrisiko um 45 %!

Ob es direkte Zusammenhänge zwischen dem Hörverlust und dem Auftreten einer Depression gibt, bleibt noch ungeklärt. Fest steht jedoch ein indirekter Zusammenhang, so die Wissenschaftler. Wer schlecht hören kann, reduziert damit die Möglichkeit für direkte zwischenmenschliche Kontakte. Oftmals gleiten die Betroffenen in eine soziale Isolation ab.

Dieser Zustand kann bei längerer Dauer zur Depression führen. Um dieser Entwicklung vorzubeugen, wird bei eintretendem Hörverlust empfohlen, unbedingt und möglichst frühzeitig auf Hörhilfen zurückzugreifen.

Verbraucher zahlen beim Fleisch ungern Aufpreis für mehr Tierwohl

Obwohl das Interesse der Öffentlichkeit an einer möglichst artgerechten Tierhaltung auch bei Nutztieren scheinbar sehr hoch ist, sind lediglich 16 % der Einzelhandelskunden hierzulande bereit, die etwas teureren Lebensmittel mit einem Tierwohl-Siegel zu kaufen anstelle der konventionell erzeugten Produkte. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Hochschule in Osnabrück.

Zudem akzeptieren die „tierlieben“ Verbraucher lediglich einen Aufpreis von maximal 13 %, beispielsweise bei einem verpackten Schweinefleisch-Artikel der mittleren Preisklasse. Mit diesem Ergebnis hatten die zuständigen Wissenschaftler nicht gerechnet, wo doch bisherige Umfragen eine sehr hohe Bereitschaft der Verbraucher ergeben hat, mehr Geld für höhere Standards beim Tierwohl auszugeben. In der Praxis sieht es aber offenbar anders aus.

Im Rahmen der Studie wurden Abverkäufe von konventionellen Produkten aus Schweinefleisch mit denen von vergleichbaren Bio-Produkten mit einem Tierwohl-Siegel verglichen. Über 18.000 Käufe von entsprechender Ware gingen in die Auswertung ein.

Im Ergebnis zeigte sich, dass es sich bei 16 % der Käufe um die Bio-Tierwohl-Artikel handelte. Und auch da fiel die Kaufentscheidung vornehmlich auf solche Produkte, deren Preise um maximal 13 % höher lagen. Ein höherer Preisaufschlag wurde kaum akzeptiert. Warum die tatsächliche Kaufbereitschaft von Produkten aus tierfreundlicherer Erzeugung derart zögerlich ist, muss in weiteren Untersuchungen analysiert werden, so die Studienverantwortlichen.

Zahngesundheit und Zahnästhetik

Laserbleaching

Beim Laserbleaching (Synonyme: Laser-Bleaching; laserunterstütztes Bleaching; laseraktiviertes Bleaching; laserunterstützte Zahnaufhellung) handelt es sich um ein Verfahren zur Zahnaufhellung, bei dem ein Bleichagens (Bleichmittel) auf die Zähne aufgebracht und durch Belichtung mit Laserlicht aktiviert wird.

Ein Patient verbindet heute mit einer erfolgreichen zahnmedizinischen Versorgung nicht nur den Wunsch auf die Wiederherstellung und Gesunderhaltung seiner Kaufunktion, sondern er hofft gleichermaßen auf ästhetische Verbesserungen, die ihm zu einem schönen Lächeln und dadurch zu einer sympathischeren und kompetenteren Ausstrahlung verhelfen.

Den wichtigsten Beitrag zu strahlenden Zähnen hat der Patient hierfür selbst durch konsequente richtige häusliche Zahnpflege verbunden mit dem weitgehenden Verzicht auf färbende Genussmittel wie Kaffee, bestimmte Teesorten, Rotwein und vor allem Nikotin zu erbringen. Aber auch Medikamente wie z. B. Chlorhexidingluconat-Spülungen können zu aufgelagerten Verfärbungen führen.

Darüber hinaus ist der erste Schritt in der zahnärztlichen Praxis die gründliche professionelle Zahnreinigung (PZR): Verfärbungen, die auf der Zahnoberfläche aufgelagert sind, werden, z. B. durch die Zahnreinigung mit Pulverstrahl und nachfolgende Politur mit Pasten unterschiedlicher Körnung, entfernt. Diese aufgelagerten Verfärbungen werden von den während des Bleachings ablaufenden chemischen Reaktionen zwar auch erfasst, sollten aber zuvor dennoch entfernt werden, da sie dem Bleichmittel ansonsten die Penetration (Durchdringung) der Zahnoberfläche erschweren.

Wirkungsweise des Bleichagens:
Das Bleichagens ist in der Regel 30 %-iges Wasserstoffperoxid (H2O2; Wasserstoffsuperoxid) in Gelform. H2O2 ist ein starker Radikalbildner, der bei seinem Zerfall sowohl reduzierende als auch oxidierende Wirkung entfaltet; größere farbige Moleküle werden dadurch zu kleineren farblosen Reaktionsprodukten abgebaut, farbige Metalloxide zu farblosen reduziert. Das bedeutet, dass die färbenden Substanzen nicht aus der Schmelzstruktur herausgelöst werden, sondern als entfärbtes Reaktionsprodukt am Ort verbleiben.

Indikationen (Anwendungsgebiete)
Verfärbungen, die in die obersten Schichten des Zahnschmelzes eingedrungen sind, sind weder durch die häusliche Zahnpflege noch durch die professionelle Zahnreinigung zu entfernen. Hier findet das laserunterstützte Bleaching Anwendung. Sinnvolle Indikationsstellungen können sein:

  • altersbedingte Zahnverfärbungen
  • in der Mineralisationsphase der Zähne erfolgte Einlagerungen, z. B. Tetrazyklinverfärbungen, die allerdings je nach Ausprägung sehr hartnäckig sein können und mehrfaches Laserbleachingerfordern

Dabei ist nicht jeder in der Zahnmedizin eingesetzte Laser gleichermaßen geeignet. Vielmehr müssen das Absorptionsverhalten und die Eindringtiefe des Laserlichts genau auf die jeweilige Indikation abgestimmt sein, so auch auf die Unterstützung des Bleichvorgangs. Hierfür scheint der Einsatz eines Diodenlasers mit einer Wellenlänge von 810 nm bis 980 nm oder auch eines Nd:YAG-Lasers sinnvoll zu sein.

Der Wärmeanstieg in der Zahnhartsubstanz ist beim laseraktivierten Bleaching sehr gering und trägt nur minimal zum eigentlichen Bleichen bei. Dadurch erklärt sich die vergleichsweise geringe Ausbildung von postoperativen Hypersensibilitäten (Überempfindlichkeiten), denn anders als beispielsweise beim Einsatz von thermokatalytisch arbeitenden Bleichlampen erfolgt mit dem Laser keine wärmebedingte Ausdehnung der Dentinkanälchen und nachfolgend verstärkte Penetration des Bleichagens, die Entzündungszeichen in der Pulpa (Zahnmark) verursachen kann.

Sport

Diabetiker sollten Sport verordnet bekommen

Die Bewegungsträgheit vieler Menschen ist aus gesundheitlicher Sicht bekanntlich ein großes Problem. Viele Krankheiten ließen sich durch mehr körperliche Aktivität in unserer Gesellschaft beheben. So sind die hohen Zahlen an Erkrankungen am Typ-2-Diabetes insbesondere auf einen trägen Lebensstil und eine eintönige und ungesunde Ernährungsweise zurückzuzführen.

Vor diesem Hintergrund fordert die European Society of Cardiology, dass unterschiedliche Maßnahmen notwendig seien, um die Betroffenen zu mehr körperlicher Aktivität zu bewegen. Sie schlägt unter anderem vor, dass die zuständigen Ärzte in entsprechenden Fällen ein Sportprogramm verschreiben sollten.

Die bisherigen Ratschlage und Aktionen für mehr körperliche Bewegung scheinen nur wenig Früchte zu tragen. So leben beispielsweise die meisten Typ-2-Diabetiker in dem trägen Bewegungsmuster weiter, auch nachdem sie von ihrer Erkrankung erfahren haben. Regelmäßige Bewegung kann bei den Patienten den gestörten Blutzuckerspiegel nachweislich verbessern und somit auch das erhöhte Sterberisiko herabsetzen.

Immer noch zu wenig Menschen schaffen es, von sich aus bewegungsaktiv zu werden. Eine wichtige Hilfestellung könnten daher Ärzte bieten, die gemäß individueller Gegebenheiten wie Belastbarkeit, persönliche Interessen und das mögliche Vorhandensein weiterer Erkrankungen ein Bewegungsprogramm aufstellen könnten. Auch mit der Unterstützung seitens der Versicherungsträger sollte den Ärzten in dieser Sache noch mehr Bedeutung zugemessen werden, so die Empfehlungen der europäischen Gesellschaft.

Für einen langfristigen Erfolg bei jedem Betroffenen können individuell festgelegte Trainingspläne helfen, um den unbedingt erwünschten gesünderen und aktiveren Lebensstil herbeizuführen und den hohen Blutdruck und die schädlichen Blutfette zu senken.

Als Richtwert für bewegungsträge Typ-2-Diabetiker könnten zu Beginn eines Sportprogramms bereits zwei Stunden schnelles Gehen helfen, um die Bewegungsmuffel nicht zu überfordern, aber dennoch erste Reduzierungen des Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen zu erzielen.

Führen Hobby-Computerspieler einen ungesünderen, unsportlichen Lebensstil?

Der Ruf des Zockens am Computer ist bekanntlich nicht besonders gut, da es leicht zwanghaft werden kann und andere wichtige sportliche und soziale Aktivitäten zu kurz kommen könnten. Wissenschaftler der Sporthochschule Köln wollten es genauer wissen und befragten über 1.200 Hobby-Spieler bezüglich der Inhalte ihres alltäglichen Lebens und bezüglich ihrer Gesundheit.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass das Klischee, dass es sich bei den Zockern eher um übergewichtige Personen handelt, teilweise überholt ist. Was jedoch nach wie vor Anlass zur Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass die Hobby-Spieler oftmals ohne Hemmungen und ohne Kontrolle zocken und dadurch wertvolle Zeit, die für einen gesunden Lebensstil benötigt wird, verloren geht.

Wer viel am Computer oder vergleichbaren Bildschirmspielen verbringt, nimmt seinem Körper die Zeit, sich sportlich zu bewegen, ausreichend zu schlafen oder sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Hinzu kommt, dass zu viel Tageszeit im sitzenden, bewegungsträgen Zustand verbracht wird.

So haben die Befragungen ergeben, dass die Hobby-Spieler etwa 40 Minuten weniger schlafen als der Durchschnittsbürger hierzulande. Das übertriebene Computerspielen zu unregelmäßigen und oftmals abendlichen beziehungsweise nächtlichen Zeiten führt nicht selten zu einem Jetlag. Kommen dann die Gelegenheiten, regelmäßig Sport zu treiben, zu kurz, so schleicht sich körperliches Unwohlsein und Übergewicht ein.

Sofern die Zocker jedoch darauf achten, Sport zu treiben, und ausreichend Abstand zu den Computer-Spielen haben, sei häufigeres elektronisches Spielen nicht grundsätzlich Anlass zur Sorge, so die Studienautoren der Sporthochschule. Wenn allerdings neben einem auf diese Weise herbeigeführten ungesunden Lebensstil auch der soziale Ausgleich durch einen gesunden Freundeskreis maßgeblich in Mitleidenschaft gezogen wird und das Spielen zur Sucht wird, sollten Betroffene und Angehörige alarmiert sein.

Beauty und ästhetische Medizin

Aktivkohle als Beauty-Tipp?

Die Schönheitsindustrie und auch Lebensmittelhersteller setzen derzeit stark auf eine Zutat, die zu mehr Schönheit und Wohlbefinden führen soll. Ob Cremes, Peelingmasken, Zahncremes und Haarschampoos oder Smoothies, Wässer und Säfte – sie alle können mit Aktivkohle-Pulver angereichert sein, um die Haut rein, frisch und gut aussehen zu lassen. Doch was ist dran an diesem Versprechen?

Aktivkohle besteht aus dem gleichen Rohstoff wie Holzkohle, also aus Kohlenstoff. Mit Hilfe bestimmter chemischer Verfahren liegt sie in einer pulverförmigen, porösen Form vor, die der löcherigen Form eines Schwamms gleicht. Herkömmlich wird sie aufgrund ihrer Oberfläche für die Abwasserreinigung oder für Belüftungssysteme benutzt.

Kleinste Partikel wie Schmutz, Fette, Schwermetalle, Teilchen aus der Luft oder auch Bakterien heften sich schnell an die Struktur an. In der Medizin hilft Aktivkohle aufgrund seiner großen adsorbierenden Funktion seit langem, Gifte im menschlichen Körper abzufangen, damit sie nicht in den Darm beziehungsweise in den Organismus gelangen und dort gesundheitlichen Schaden anrichten.

Diese durchaus wünschenswerte Eigenschaft macht sich nun die Schönheitsindustrie zu Nutze, indem sie Aktivkohle in zahlreichen Produkten einsetzt. Den Peelings und Cremes zugesetzt soll sie vor Giften und körperfremden Partikeln schützen. In Zahncremes soll sie die Zähne reinigen. Ein Wirksamkeitsnachweis von wissenschaftlicher Seite konnte bisher jedoch nicht vorgelegt werden.

Im Gegenteil: Es muss angenommen werden, dass weitere Bestandteile in den Kosmetika, wie beispielsweise Aromastoffe oder Öle, die Wirksamkeit der Aktivkohle bereits derart beanspruchen, weil diese sich daran festhaften, so dass Aktivkohle in den Hautporen gar nicht mehr wirken kann.

Auch innerlich angewendet verspricht die Aktivkohle womöglich nicht unbedingt eine nennenswerte Wirksamkeit. Für die Entgiftung und Entschlackung setzt sich ohnehin bereits der Darm sowie die beiden Entgiftungsorgane Leber und Nieren ein. Die alltägliche Unterstützung seitens verzehrter Aktivkohle ist nicht notwendig und effektiv.

Einer möglichen Verbrauchergruppe ist sogar Vorsicht geboten: Wer Arzneimittel zu sich nimmt, sollte auf die Einnahme von Aktivkohle verzichten. Denn sie könnte die medizinisch wichtigen Wirkstoffe an sich binden und somit für den Organismus unnutzbar machen. Wichtige Arzneimittel oder die Antibabypille beispielsweise sollten daher keinesfalls mit Getränken eingenommen werden, die mit Aktivkohle angereichert sind.

Magersüchtig ohne dünn zu sein?

Gutes Aussehen, schlank sein, modische Kleidung tragen und Komplimente erhalten, wer wünscht sich das nicht? Doch der Wunsch nach körperlichem Ansehen wird für viele Menschen schnell zwanghaft. Die Gefahr, magersüchtig zu werden, ist groß. Bei der Anorexia nervosa handelt es sich um eine Erkrankung der Psyche, die von körperlichen Komplikationen begleitet wird.

Bei der typischen Magersucht kann sich mit den purzelnden Kilos bis zum Untergewicht ein lebensbedrohlicher Zustand einstellen, aus dem sich die Betroffenen nur mit therapeutischer Hilfe befreien können.

Immer häufiger sind auch Menschen an einer Magersucht erkrankt, obwohl man es ihnen äußerlich nicht unbedingt ansieht. Bei der atypischen Anorexie bringen die Betroffenen ein Normalgewicht auf die Waage, oder sind sogar mollig und übergewichtig. Bei einer Untersuchung von über 170 Patientinnen einer Klinik für Magersüchtige im Alter zwischen 12 und 19 Jahren wurde ein Drittel der Anorektiker als mittel- und normalgewichtig diagnostiziert.

Die Betroffenen zeichneten sich durch ihr zwanghaftes Essverhalten und extreme Gewichtsschwankungen aus. Ein derart gefährlicher Hungermodus kombiniert mit extremen Essattacken führt zu gefährlichen Puls- und Blutdruckschwankungen, zu Störungen des Elektrolythaushaltes und schlimmstenfalls zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen.

Vor diesem Hintergrund wird die Forderung seitens vieler Mediziner lauter, auch die atypische Anorexie mit eher normalem Körpergewicht ebenso ernst zu nehmen wie die typische Form mit untergewichtigen Patienten. Der Leidensdruck ist bei beiden Arten sehr groß und lässt sich nur mit professioneller Hilfe erfolgreich behandeln.

Das Kriterium „Untergewicht“ sollte den Studienautoren zufolge aus der Definition der Krankheit „Magersucht beziehungsweise Anorexie“ gestrichen werden, da immer mehr Betroffene Normal- beziehungsweise Übergewicht hätten. Zudem ist es wichtiger denn je, dass Angehörige und Lehrer ein Auge insbesondere auf die jungen Menschen haben, deren Essverhalten Anlass zur Sorge bereitet.

Vitalstoffe und Ernährung

Probiotika unterstützen bei Divertikulose-Therapie

Divertikel sind ungewollte Ausstülpungen in den Wänden von Hohlorganen, insbesondere dem Darm. In den letzten Jahren stieg die Krankheitshäufigkeit in den Industrieländern deutlich an. Ein italienisches Wissenschaftlerteam publizierte nun die erste Übersichtsarbeit, welche die Wirkung von probiotischen Kulturen in unterschiedlichen Phasen einer Divertikulose (Auftreten mehrerer Divertikel an der Darmwand) untersuchte.

Ergebnisse
Insgesamt 13 Ernährungsstudien konnten die Wissenschaftler identifizieren. Nach Auswertung der Studien kommt das Team zu dem Ergebnis, dass unterschiedliche probiotische Kulturen in verschiedenen Phasen einer Divertikulose sinnvoll sein können. Sie vermuten die Einflussnahme einer unausgewogenen Darmflora auf die Entzündungsprozesse und die Entstehung von Divertikeln. Zahlreiche Ernährungsstudien verwendeten Lactobazillen zur Therapie.

Zusammenfassung
Probiotische Kulturen, insbesondere Lactobazillen, könnten die Therapie einer Divertikulose in unterschiedlichen Stadien unterstützen.

Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Vitalstoffkombination kann helfen

Eine Kombination aus marinen Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D konnte Frauen mit PCOS helfen. In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie erhielten 60 Frauen im Alter zwischen 18 bis 40 Jahren über 12 Wochen täglich eine Vitalstoffkombination aus 2 g marinen Omega-3-Fettsäuren und circa 89 µg Vitamin D.

Ergebnisse
In der Folge kam es zur Verbesserung zahlreicher Parameter. Neben der Abnahme des Testosterongehaltes kam es zur Verbesserung der Punktezahl bei drei verschiedenen Fragebögen zu Depressionen, der allgemeinen Gesundheit, Angst und Stress. Ebenso verbesserten sich die Biomarker hochsensitives C-reaktives Protein (hs-CRP), Malonyldialdehyd (MDA) und die antioxidative Gesamtkapazität (TAC). Die Wissenschaftler beobachteten zusätzlich eine Herabregulation der Expression von Genen für Interleukin-1 (IL-1) und eine Hochregulation von Genen des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VGEF).

Zusammenfassung
Die Einnahme von marinen Omega-3-Fettsäuren mit Vitamin D hat zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit von Frauen mit einem PCOS.

Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)

Anti-Aging – Alt werden, jung bleiben

Wer gebrechlich ist, könnte erhöhtes Risiko für Alzheimer haben

Mit zunehmendem Alter büßen viele Menschen ihre Mobilität ein und werden gebrechlich. Das hat unterschiedliche Hintergründe wie beispielsweise Schwierigkeiten mit der Gelenkgesundheit, Osteoporose, Abgespanntheit oder auch mangelnde körperliche Bewegung.

US-amerikanische Wissenschaftler haben untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen eben dieser Gebrechlichkeit und dem häufigen Auftreten einer Demenz- oder Alzheimererkrankung. Sie untersuchten 456 Menschen, die zu Beginn der Studie keine Symptome einer Demenz zeigten.

Nach ihrem Tod wurden die Gehirne vor dem Hintergrund einer möglicherweise eingetretenen Alzheimer-Demenz näher unter die Lupe genommen.Hierfür dienten beispielsweise Messungen möglicher Hirnablagerungen, um krankhafte Veränderungen feststellen zu können.

Zu Lebzeiten nahmen die Studienteilnehmer an unterschiedlichen Tests teil, um Aussagen zur kognitiven Fitness und neurologischen Gesundheit zu erhalten. Zudem legten die Wissenschaftler anhand zahlreicher Untersuchungen fest, inwiefern und in welchem Ausmaß sich bei den Teilnehmern eine Gebrechlichkeit entwickelt hatte.

Tests zur Müdigkeit, zu Problemen am Herzen oder an den Gelenken, zum allgemeinen Gesundheitszustand, zur Mobilität und zu möglichen Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie zum Bewegungsalltag wurden vorgenommen. Die Untersuchungen wurden über mehrere Jahre hinweg wiederkehrend durchgeführt.

Weitere Einflussfaktoren wie ein möglicher Schlaganfall, Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder beispielsweise eine Diabetes-Erkrankung wurden berücksichtigt.

Im Ergebnis zeigte sich, dass eine zuvor gemessene Gebrechlichkeit bei vielen Menschen dazu beitragen kann, dass es zum Ausbruch einer Alzheimer-Demenz kommt. Solche Personen jedoch, die eine höhere physiologische Fitness mitbringen, gehen weniger das Risiko ein, dass die Symptome einer Alzheimerkrankheit auftreten. Eine bessere Verfassung des Bewegungsapparates könnte somit das Risiko für eine Alzheimer-Demenz reduzieren, so die Wissenschaftler.

Leichtere Raucherentwöhnung durch Verzicht auf Alkohol

Viele Menschen haben sich zum Neubeginn des Jahres 2019 vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören. Doch so manche sind bereits wieder an ihrem Vorhaben, die Nikotinsucht zu besiegen, gescheitert. Eine US-amerikanische Studie kommt zu dem Schluss, dass ein reduzierter Alkoholkonsum helfen kann, die Entzugserscheinungen während der Raucherentwöhnung zu mindern. Die Chance, sich das Rauchen erfolgreich abzugewöhnen, steigt demnach, wenn die Betroffenen auf das eine oder andere Gläschen Alkohol verzichten.

Die unerwünschten Entzugserscheinungen beim Rauchstopp treten deshalb auf, weil die Leber das Nikotin abbaut und der Körper dann durch die Entzugserscheinungen auf den wünschenswerten Nachschub aufmerksam macht. Je schneller die Leber also das Nikotin abbaut, desto früher treten die Entzugserscheinungen auf. Ein langsamerer Abbau des Nikotins wäre im Rahmen einer Raucherentwöhnung somit wünschenswerter, weil die Entzugserscheinungen langsamer und weniger intensiv auftreten würden.

Die Wissenschaft ging bisher davon aus, dass die Abbaurate konstant und nicht zu beeinflussen ist. Im Rahmen einer Studie wurde diese Abbaurate näher unter die Lupe genommen. Raucher, die regelmäßig Alkohol tranken, nahmen an einem 21-tägigen Raucherentzug teil. Zeitgleich reduzierten sie ihren Alkoholkonsum. Mit Hilfe von Speichel- und Urinproben wurde die Höhe der Nikotinabbaurate vor sowie nach den drei Wochen bestimmt.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Reduzierung des Alkoholkonsums dazu führte, dass sich das Nikotin in der Leber langsamer abbaute. Die Entzugserscheinungen traten damit weniger deutlich ein und der Ausstieg aus der Nikotinsucht wurde den Betroffenen damit einfacher gemacht. Wie es genau zu dieser wünschenswerten Wechselwirkung kommt, muss in weiteren Studien geklärt werden.

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